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Bahn bekommt neuen Chefkontrolleur

Frankfurt/Main - Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn ist der frühere Chemiemanager Utz-Hellmuth Felcht. Der 63-Jährige wurde am Mittwoch zum Nachfolger des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Werner Müller bestimmt, der fünf Jahre Chefkontrolleur des bundeseigenen Konzerns war.

Kurz nach seiner Wahl nannte Felcht die interne Unternehmensorganisation und den Schutz vor Wirtschaftskriminalität als wichtige Arbeitsfelder seiner Amtszeit. «Die Bahn muss da besser werden, wo sie in der Vergangenheit große Fehler gemacht hat», sagte er in Frankfurt.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube bestätigten, dass weiterhin Interesse an einer Übernahme des britischen Verkehrsanbieters Arriva bestehe. Es gehöre zu den wichtigsten Pflichten eines Unternehmens, angrenzende Auslandsmärkte zu beobachten, sagte Ramsauer. Man könne nicht tatenlos zusehen, wenn sich andere die Märkte aufteilten.

Die Bahn hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass sie zu Arriva Kontakt für ein mögliches Barangebot aufgenommen hat. Darüber würden Gespräche geführt. Es sei aber ungewiss, ob auch ein Angebot vorgelegt werde. Arriva mit 44 000 Beschäftigten ist in zwölf europäischen Ländern mit Bahnen und Bussen präsent, darunter auch in Deutschland. Eine Übernahme von Arriva wäre nach Branchenangaben ein Milliardengeschäft.

Der Vorstand des Bahn-Konzerns wird von sechs auf fünf Mitglieder verkleinert. Volker Kefer übernimmt das bisher eigenständige Vorstandsressort Infrastruktur, zusätzlich zu den Bereichen Technik, Systemverbund und Dienstleistungen. Kefer ist bereits seit Dezember kommissarisch für das Schienennetz verantwortlich. Damals wurde Infrastruktur-Vorstand Stefan Garber überraschend von seinem Posten entbunden.

Ramsauer bekräftigte, dass für einen Börsengang der Bahn derzeit praktisch alle Voraussetzungen fehlten. Dieser sei aber nicht abgesagt, sondern als Ziel im Koalitionsvertrag vereinbart. Die Bahn müsse sich neu ausrichten. «Die Kundenorientierung muss wieder zentral werden.» Ramsauer hatte an der Hauptversammlung teilgenommen, die die neuen Aufsichtsräte der Kapitalseite bestimmte.

In einer Fragestunde des Bundestages verteidigte der Parlamentarische Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) Felcht gegen Kritik aus der Linken-Fraktion. Sie stellte die Qualifikation Felchts für die Aufgabe bei der Bahn infrage und monierte, dass er schon in mehreren anderen Aufsichtsräten sitze. Ferlemann nannte Felcht eine exzellente Wahl. Und: «Die Bundesregierung geht von der Unabhängigkeit von Herrn Felcht aus.»

Der Aufsichtsrat billigte den Jahresabschluss 2009, den Grube an diesem Donnerstag vorstellen will. Die Wirtschaftsflaute hat Spuren hinterlassen und den Gewinn gedrückt. Die Bahn blieb aber klar in den schwarzen Zahlen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank auf etwa 2,2 Milliarden Euro, wie aus Aufsichtsratskreisen verlautete. Im Jahr 2008 waren 2,48 Milliarden Euro Ebit ausgewiesen worden.

dpa-infocom