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"Ironman Europe" - Koblenzer Zäck warf Handtuch

Leder triumphierte mit Weltbestzeit

Roth (dpa) - Ganz im Zeichen von Lothar Leder stand die neunte Auflage des "Ironman Europe" am Sonntag im fränkischen Roth. Mit einer Zeit von 7:57:02 Stunden überquerte der 25jährige Darmstädter bei der größten Triathlonveranstaltung Europas nicht nur als Sieger die Ziellinie, sondern blieb als erster Triathlet der Welt unter der magischen Acht-Stunden-Grenze.

Als Zweiter komplettierte der Hanauer Rainer Müller den deutschen Doppelsieg. Ein Debakel erlebte dagegen Jürgen Zäck, der Sieger der beiden vergangenen Jahre. Bei aussichtslosem Rückstand gab der favorisierte Koblenzer bereits auf der Radstrecke auf.

Rekord war sieben Jahre alt

Leder verbesserte bei dem Härtetest über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen die seit sieben Jahren bestehende Weltbestzeit des Amerikaners Dave Scott (8:01:11) gleich um über vier Minuten und hatte am Ende über elf Minuten Vorsprung vor Rainer Müller-Hörner (8:08:41) und dem Niederländer Jan van der Marel (8:12:53). Mit Peter Reid (4./Roth), Holger Lorenz (5./Bretten), Stefan Holzer (8./Riederau) und Jochen Basting (10./Darmstadt) landeten vier weitere deutsche Triathleten unter den Top ten. Auch im Damenwettbewerb siegte mit Ute Mückel vom gastgebenden TSV Roth eine Deutsche. Die Lokalmatadorin überquerte nach 9:21:30 Stunden die Ziellinie.

Es lag in der Luft

"Das phantastische Publikum hat den Weltrekord ermöglicht. Es hat mich die letzten drei Kilometer, als ich völlig ausgepumpt war, förmlich ins Ziel getragen", bedankte sich der überglückliche Leder nach dem Rennen mit Tränen in den Augen bei den rund 120 000 Zuschauern an der Rennstrecke. "Ich habe schon heute morgen gemerkt, daß etwas in der Luft liegt, aber von dieser sensationellen Zeit bin auch ich völlig überrascht."

Stärke: Laufen

Leder spielte vor allem seine Stärke auf der Laufstrecke voll aus. Nach dem Schwimmen im Rothsee, in dem die insgesamt 2 450 Teilnehmer um 06.30 Uhr gestartet waren, lag der Bankkaufmann aus Darmstadt mit einem Rückstand von 42 Sekunden noch auf dem achten Platz. Doch schon nach wenigen Kilometern auf dem Rad holte er auf und setzte sich an die Spitze. Beim Wechsel zum Laufen hatte er 15 Sekunden Vorsprung auf Verfolger Müller herausgefahren, den er auf der Laufstrecke schnell distanzierte. Schon kurz nach der Wende, bei Kilometer 26, hatte sich Leder 6:50 Minuten Vorsprung herausgelaufen und absolvierte auf den letzten Kilometern ein Rennen gegen die Uhr.

Zäck warf Handtuch

Der als Favorit gestartete Jürgen Zäck war zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Rennen. Der 30jährige Koblenzer, der vor dem Wettkampf noch viel Zuversicht ausgestrahlt hatte, verlor auf der Schwimmstrecke seine Badekappe und jegliche Orientierung, so lag Zäck nach dem Schwimmen mit fast fünf Minuten Rückstand nur auf dem 51. Rang und warf nach knapp 150 Kilometern auf der Radstrecke kurz vor dem gefürchteten Solarer Berg das Handtuch. Auch der als Mitfavorit gestartete Finne Pauli Kiuri konnte als Sechster mit 29 Minuten Rückstand auf Leder nicht die Erwartungen erfüllen.

Deutsche Ute Mückel beste Frau

Bei den Damen siegte mit Ute Mückel erstmals seit 1989 (Simone Mortier) wieder eine Deutsche. Die Lokalmatadorin hatte bereits nach dem Schwimmen einen sensationellen Vorsprung von über sieben Minuten - nur drei Männer stiegen früher aus dem Wasser als die 28jährige Gymnasiallehrerin aus Nürnberg. Am Ende gewann Mückel souverän vor der Amerikanerin Lauren Alexander (9:37:23) und der Kanadierin Lori Bowden (9:39:35). Die als Mitfavoritinnen eingestuften Beatrice Mouthon aus Frankreich und Katinka Wiltenburg aus den Niederlanden wurden Windschattenfahrens disqualifiziert. Von Dino Reisner, dpa


Last edited: to@rhein-zeitung.de 12.06.1998 06:34