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. . . "Damit kann Peter Graf leben"

Seine Verteidiger zeigten sich in einer ersten Reaktion durchaus zufrieden: "Mit diesem Urteil kann Peter Graf gut leben, wir hoffen auf die Aussetzung der Hälfte der Strafe zur Bewährung, für den Rest vielleicht auf offenen Vollzug", sagte Hausanwalt Kurt Himmelsbach. Chef-Verteidiger Franz Salditt (Foto, zusammen mit Peter Graf) lobte die Kammer "für den gerechten Prozeß und die ausgezeichnete Urteilsbegründung". Die Anwälte wollten noch am Nachmittag gemeinsam mit Peter Graf in Brühl die weitere gemeinsame Strategie besprechen.

Dagegen kündigte Oberstaatsanwalt Hubert Jobski bereits den Gang vor den Bundesgerichtshof an: "Angesichts unserer weitaus höheren Strafanträge erscheint eine Revision nur sachgerecht." Der Antrag muß innerhalb von einer Woche gestellt werden. Die Anklage hatte für Graf sechs Jahre und neun Monate sowie für Eckardt vier Jahre und neun Monate Haft beantragt.

In einer Zusatzerklärung entlastete das Gericht ausdrücklich die 27jährige Steffi Graf vom Vorwurf der Mittäterschaft. "Während des gesamten Prozesses hat sich kein Hinweis auf eine aktive Beteiligung von Steffi Graf bei der Steuerhinterziehung ergeben", sagte der Vorsitzende Joachim Plass (Foto unten). Deshalb sei das Ermittlungsverfahren aus Sicht der Kammer gegen die Tennisspielerin einzustellen. Es gebe auch keinen Ansatz für eine Geldbuße. Chef-Ankläger Jobski reagierte darauf allerdings verhalten: "Wir werden nichts überstürzen."

Mitschuld der Finanzbehörden

In seiner 90minütigen Begründung machte das Gericht deutlich, daß vor allem eine gewisse Mitschuld der Finanzbehörden zu dem verhältnismäßig milden Urteil geführt habe. "Aus unserer Sicht wäre bereits 1991 die Einleitung eines Strafverfahrens angemessen gewesen. Die Nachsicht der Verwaltung war ungewöhnlich", führte der Vorsitzende aus. Man habe es der Seite Graf einfach zu leicht gemacht. Gegenüber der Anklage reduzierte das Gericht auch die hinterzogene Steuerschuld von 19,2 auf gut 15 Millionen Mark. Strafmildernd sei auch, daß die Steuern inzwischen in voller Höhe bezahlt wären. Dies sei durchaus ungewöhnlich.

Trotzdem sei Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt und deshalb angemessen zu bestrafen: "Steuergerechtigkeit ist ein Tribut an die Zivilisation", führte der Vorsitzende Plass aus. Graf und Eckardt hätten über Jahre hinweg "erhebliche kriminelle Energie" aufgewandt und dreimal soviel Steuern hinterzogen, wie sie schließlich bezahlt hätten. Jahrelang habe man alle Warnungen überhört: "Jedes Rotlicht wurde überfahren." Peter Graf habe besser als alle Experten sein wollen: "Er hielt sich für unangreifbar und wollte die Quadratur des Kreises schaffen." Zur Rolle von Sponsoren und Beratern nahm das Gericht nur kurz Stellung: "Es gab eine gewisse Mitverantwortung, aber keine Mitschuld." Graf habe auch sie systematisch getäuscht.

Steffi soll nicht für Graf zahlen

Joachim Eckardt wurde in allen Fällen nur wegen Beihilfe verurteilt. Er habe aber durchaus eine aktive Rolle gespielt und sei als Steuerfachgehilfe sich seiner Vergehen bewußter gewesen als Peter Graf. Eckardt-Verteidiger Bernd Schneider, der maximal zwei Jahre Haft beantragt hatte, zeigte sich dennoch zufrieden: "Wir freuen uns über dieses Urteil. Bei Anwendung der Halbstrafen-Regelung müßte Herr Eckardt nicht mehr ins Gefängnis. Meine besondere Anerkennung gilt dem Gericht und ihrem Vorsitzenden, der sich hier als außergewöhnliche Persönlichkeit erwiesen hat."

Das Gericht sah ausdrücklich von einer Geldbuße für Peter Graf ab, die zu einer noch niedrigeren Haftstrafe hätten führen können: "Wir haben keinen Ansatz hinsichtlich des Vermögens von Herrn Graf gefunden, der eine solche Regelung erlaubt hätte. Wir wollten seine Tochter nicht für ihn zur Kasse bitten", erläuterte der Vorsitzende Plass. Sollten die Urteile rechtskräftig und die Hälfte der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden, blieben für Peter Graf nach 16 Monaten Untersuchungshaft noch sechs Monate Freiheitsentzug, für Joachim Eckardt, der schon 14 Monate U-Haft absaß, stünde nur noch ein Monat an. Dieter Hennig; Fotos: Reuter


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von jp