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Dazu auch: US-Basketballer verdienen am besten

86 Millionäre in der Fußball-Bundesliga

Köln (sid) 86 Millionäre in der Fußball-Bundesliga bei über fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland, selbst in den eigenen Reihen steigt die Kritik. "Die Gehälter in der Fußball-Bundesliga sind keinem normalen Menschen mehr zu vermitteln.

Viel zu viel Durchschnitt wird viel zu hoch bezahlt", sagt Heinz Simmet, der vor 19 Jahren mit dem Gewinn des Doubles seine erfolgreiche Karriere beim 1. FC Köln beendete und heute kritischer Beobachter der Szene ist. Fernseh-Millionen und das Bosman-Urteil lassen die Gehälter explodieren. Simmet, der zwischen dem 15. April 1970 und dem 3. Dezember 1977 in keinen FC-Spiel fehlte und mit 289 Bundesligaspielen in Folge einen "Rekord für die Ewigkeit" aufstellte: "Ich mache den Spielern keinen Vorwurf. Sie verdienen was der Markt hergibt. Ich kritisiere aber unprofessionelle Ver-
einsführungen, die Geld ausgeben, das sie nicht haben."

    Jean-Marc Bosman.
Nicht die Dortmunder Großverdiener Matthias Sammer (angeblich 6,5 Millionen Mark Jahressalär) und Andreas Möller (6,1 Millionen) sind das Problem, sondern die Mitläufer. "Auf Dauer ist diese Entwicklung gefährlich", sagt Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des VfB Stuttgart, Finanzminister in Baden-Württemberg und als Ligaausschuß-Vorsitzender des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Vergabe der Lizenzen verantwortlich. Dortmunds Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld sieht es wie Simmet: "Das größte Problem der Bundesliga ist, daß Durchschnittspieler zu viel Geld verdienen."

Simmet, mit "seinem" FC dreimal Pokalsieger und einmal Meister, in 419 Bundesliga-Begegnungen 55 Tor erzielte und heute in Köln als erfolgreicher Malermeister Lehrlinge ausbildet: "Diese Kategorien an Gehältern kann man keinem mehr erklären. Da muß sich jemand, der in der Liga nur 600.000 verdient, ja fast schon als Versager vorkommen. Was mich am meisten stört, ist die Mentalität der heutigen Profis. Da meint doch jeder, er sei der große Star." Neid auf die Großverdiener kennt der gebürtige Saarländer aber trotzdem nicht: "Auch bei uns wurde Geld verdient, auch bei uns ging es auch nicht nur um die Ehre, auch zu unseren Zeiten gab es raffgierige Leute, aber ich frage mich, warum die Kollegen heute fünfmal mehr verdienen müssen als wir. Theoretisch würde das bedeuten, die die Jungs fünfmal besser spielen als wir. Diese Rechnung geht nicht auf."

"Wir waren Profis, aber der Fußball war trotzdem ein Hobby"

Simmet, der in Köln ein florierendes Malergeschäft mit 25 Angestellten betreibt und als Geschäftsmann zu keinem Zeitpunkt die Bodenhaftung verloren hat: "Zu unserer Zeit herrschte Klarheit. Wir hatten eine Hackordnung mit zwei, drei Häuptlingen." Die ungekrönten Könige beim FC waren Wolfgang Overath und Heinz Flohe und jeder habe das akzeptiert: "Kein Problem."

Simmet, Rückennummer sechs und die Zuverlässigkeit in Person, rackerte und rannte im Mittelfeld, schuf die Räume, die Overath und Flohe für ihre Spielkunst brauchten. Mit Borussia Neunkirchen und Rot-Weiß Essen war Simmet zweimal aus der Eliteliga abgestiegen, bevor seine Erfolgsgeschichte mit dem 1. FC Köln begann: "Es waren wunderschöne Jahre. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß wir von den heutigen Gehältern nur träumen konnten. Wir hatten mehr Realitätssinn." Da spielten die Profis auch schon mal für 30 Mark Prämie, wenn die Vereinskasse mehr nicht zuließ: "Wir waren Profis, aber der Fußball war trotzdem ein Hobby. Arbeit ist etwas anderes." Christoph Fischer; Foto-Montage: jp; Foto: Archiv


Letzte Änderung: 09.04.1997 00:02 von jp