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Bayer Leverkusen - AS Monaco 2:2 (1:0)

"Nichtangriffspakt" trübte Freude

"Größter Erfolg" - Daum vor Verlängerung

Leverkusen (sid) Der neunminütige "Nichtangriffspakt" am Ende trübte die Freude bei Bayer Leverkusen über das Erreichen eines Traumziels. Gellende Pfiffe und wütende "Aufhören-Aufhören"-Rufe der Fans begleitenden die von einem müden Ballgeschiebe gekennzeichnete Schlußphase des 2:2 (1:0) im Champions-League-Duell zwischen Bayer Leverkusen und Frankreichs Meister AS Monaco, wodurch der deutsche Vizemeister als Gruppenzweiter ebenso ins Viertelfinale einzog wie die Monegassen als Erstplazierter.

Monacos Torhüter Fabien Barthez nutzte den Anti-Fußball beider Teams und kauerte in der Hocke an einem Torpfosten (Foto). Schließlich schoben sich Christian Wörns und Stefan Beinlich in dieser Zeit 3:37 Minuten lang im Mittelfeld genüßlich ohne Feindberührung den Ball hin und her. "Es war 80 Minuten ein Bombenspiel. Ich kann die Reaktion der Zuschauer nicht verstehen. Jede Mannschaft der Welt hätte so gespielt wie wir. Man kann doch nicht in sein Verderben rennen, dafür ging es um zuviel", verteidigte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler die Spielweise beider Mannschaften, die an den zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten "Nichtangriffspakt" im WM-Spiel zwischen Deutschland und Österreich 1982 in Gijon erinnerte. Durch den 1:0-Erfolg erreichten die Nachbarländer damals auf Kosten der Algerier die nächste Runde.

"Wir waren darauf nicht vorbereitet. Man hätte es cleverer machen können", konstatierte Trainer Christoph Daum. Er wollte allerdings die im Grunde verständliche Aktion der 22 Akteure - durch das Unentschieden war beiden gedient - nicht überbewertet wissen: "Man sollte die letzten paar Minuten am besten vergessen. Wir haben in sechs Champions-League-Spielen und fast 540 Minuten großartige Leistungen gezeigt, denn der Viertelfinaleinzug ist das Produkt leidenschaftlicher Arbeit." Daß dies durch die letzten Minuten ins Hintertreffen gerate, sei nicht fair."

20 Millionen Mark Einnahme

Schließlich ist laut Manager Reiner Calmund der Einzug ins Viertelfinale der "Königsklasse" und damit in die Hautevolee des europäischen Klub-Fußballs "trotz des Uefa-Cup-Triumphes 1988 und des DFB-Pokal-Sieges 1993 der größte Erfolge in unserer Vereinsgeschichte". Während ehemalige Europapokalgewinner wie der FC Barcelona und der FC Porto auf der Strecke blieben, Renommierteams wie Real Madrid und Juventus Turin nur mühsam das Viertelfinale erreichten, marschierte der Werks-Klub punktgleich mit Monaco (je 13 Zähler) relativ locker in die nächste Runde (4. und 18. März 1998).

Ulf Kirsten und Hans-Peter Lehnhoff träumen nun von einem Vergleich mit Spaniens Rekordmeister Real Madrid mit Trainer Jupp Heynckes und Torhüter Bodo Illgner. Ein deutsch-deutsches Duell gegen Cup-Verteidiger Borussia Dortmund oder Meister Bayern München ist dagegen ebenso nicht nach dem Leverkusener Geschmack wie ein Aufeinandertreffen mit Ukraines Champion Dynamo Kiew. Durch die zusätzliche Prämie von 3,6 Millionen Mark für den Vorstoß ins Viertelfinale haben die Rheinländer damit schon 20 Millionen Mark in der Champions League eingenommen. Allerdings will "Calli" die Kohle nicht wieder in vollem Umfang in neue Spieler investieren, auch wenn Daum seine Vertragsverlängerung von der Verpflichtung von Top-Spielern abhängig macht.

Kirsten "im Kopf blockiert"

"Ich hoffe, daß wir in der Winterpause den Kontrakt mit Christoph verlängern können. Aber wir werden nicht zehn Millionen ausgeben", meinte Calmund bestimmt. Daum äußerte sich im Hinblick auf seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag zurückhaltend: "Andere Gedanken stehen im Vordergrund." So sicherlich bezüglich Bayer-Torjäger Ulf Kirsten. Der Nationalstürmer fühlte sich aufgrund der Vorkommnisse vom Samstag "im Kopf blockiert", auch wenn er mit seinem Körpereinsatz an der Vorbereitung des Führungstreffers durch das Traumtor von Stefan Beinlich (29.) beteiligt war.

"Wir haben nach dem 0:4 im Hinspiel dazugelernt", analysierte der Ex-Rostocker Beinlich, der zum dritten Mal im laufenden Wettbewerb erfolgreich war und neben dem diesmal gesperrten Brasilianer Emerson zum Mann der wichtigen Tore avancierte. Nach Erik Meijers 2:0 (57.) schien der Gruppensieg unter Dach und Fach, doch Monacos Trainer Jean Tigana spielte Vabanque. Mit drei Spitzen schafften die Kicker aus dem Fürstentum durch Christophe Pignol (63.) und den eingewechselten Jungstar Thierry Henry (81.) noch den Ausgleich. "Erst mit drei Spitzen waren wir vorne wirkungsvoll", meinte der dunkelhäutige monegassische Coach, der 1984 zur Europameister-Elf Frankreichs gehört hatte.

Letzte Änderung: 11.12.1997 14:59 von jp
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