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Ruhe vor dem Sturm: Stille Tage auf Elba erleben

Portoferraio Wer nach Elba bloß zum Baden reist, verpasst etwas. Denn die Insel hat mehr als schöne Strände und türkisblaues Wasser zu bieten.

Auch Naturliebhaber und Wanderer kommen auf ihre Kosten. Das gilt gerade vor der Hochsaison.

Auf der Landkarte sieht die Insel aus wie ein exotischer Fisch, von Kinderhand vor die toskanische Küste in das Mittelmeer gemalt. Wer vom Fährhafen Piombino auf dem Festland gen Westen blickt, sieht eine bergige Landschaft im fernen Dunst. Sie wirkt zwar nicht so massiv wie Korsika weiter westlich, aber ebenso stolz und einladend. Vor allem für all jene, die die Strände und die gute Küche auf der Insel genießen wollen, bevor im Hochsommer der große Ansturm beginnt.

Stille Tage auf Elba? So wie sie einst Napoléon verbrachte, bevor es ihn wieder nach Feldzügen und großer europäischer Politik gelüstete? Ja, das ist möglich. Und es ist traumhaft. Im Ankunftshafen Rio Marina dümpeln nur ein paar Jachten mit schwarz-rot-goldener Fahne am Heck. «Richtungen», so weist das Verkehrsschild den Autofahrer auch auf Deutsch an, wenn dieser den hübschen Küstenweg nach Cavo an der Nordspitze sucht. Er führt vorbei an meist niedrigen Häusern in warmen, mediterranen Farben. Die Insulaner passen auf ihr Ambiente auf, da konnten Immobilienhaie und lokale Mafiosi wenig verschandeln.

In Cavo beherrscht der im Dutzend vom Festland angereiste Vespa-Club die ansonsten tief in Siesta-Stimmung gehüllte Strandszene. Alle haben sie ihr blaues Vereins-T-Shirt übergestreift, und jetzt röhren sie los auf ihren Maschinen, lärmend und lachend. Ab geht es in die Berge. Zurück lassen sie einen Tisch mit einer leeren Magnumflasche Limoncino (Elbas Limoncello). Na, dann gute Fahrt! Den Frühjahrsurlauber auf der Insel zieht es eher nach Portoferraio, um barfuß über die weißen Steine des Ghiaie-Strandes zu laufen und ein ansprechendes Slowfood-Restaurant zu suchen. Die Bar auf der zentralen Piazza Cavour heißt «Kursaal». Und der Koch erklärt später ungefragt auf Deutsch, dass Acciughe die Sardellen sind.

Es ist die Zeit der Inselfreaks, der Segler, der Wanderer - und überhaupt der Naturliebhaber, die neugierig darauf sind, wie weit denn die Tamarisken-Blüte ist, was der Mohn macht und ob die Weinstöcke schon «erwacht» sind. Den pittoresken Biódola-Strand haben ein paar Jugendliche beim Volleyballspiel ganz für sich.

Zu den Stränden von Marina di Campo oder Lacona zieht es da schon etliche mehr. Ein Angler hievt dort einen riesigen Tintenfisch an Land, das Liebespaar im feinen Sand hat dafür natürlich überhaupt keine Augen. Und der Kurzurlauber will noch die Küstenfahrt rund um den 1018 Meter hohen Hausberg Monte Capanne im Westen Elbas schaffen.

«It's a beautiful day», dröhnt der neapolitanische Bluesman Pino Daniele aus dem Autoradio. Die Straße windet sich sozusagen auf der unteren Flosse des Fisches Elba hoch nach Capoliveri, einem entspannt wirkenden Ort ganz oben auf dem Hügel. Von dort geht der Blick weit über die Insellandschaft - was für ein Hochgefühl das einem gibt!

Wie kriegen die Insulaner dieses Lebensgefühl nur hin? Darüber nachsinnend könnte man den Keramikladen auf dem Weg zurück nach Portoferraio glatt verpassen. Dabei gilt es doch, für die Küche ein paar schöne, nicht mit grellen Farben und dem üblichen Schnickschnack überladene toskanische Stücke heimzubringen. Sie liegen nun, gut verpackt, neben einem Qualitätsöl aus Capoliveri mit garantiert niedrigem Säuregrad. Nur für den Honig war diesmal kein Platz. Und die Fähre in Rio Marina wartet bereits.

Webseite des Tourismusbüros Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

dpa-infocom