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50 Jahre WWF: Steter Kampf um die Natur

Berlin/Frankfurt Der World Wide Fund for Nature (WWF) ist eine der größten Naturschutzorganisationen der Welt.

Vor 50 Jahren - am 29. April 1961 - wurde er in der Schweiz gegründet. Inzwischen hat er sich zu einem professionellen globalen Netzwerk entwickelt.

Für Bekanntheit des WWF und Spendenmillionen sorgten zu Beginn Prinz Bernhard der Niederlande und der englische Prinzgemahl Philip. Galt der WWF in den Anfangsjahren deshalb noch als «Prinzengarde», ist er nun ein professionelles globales Netzwerk. Eberhard Brandes, Geschäftsführer von WWF Deutschland, erläutert die Grundsätze und Besonderheiten.

Wo sehen Sie den WWF in der Landschaft der Nichtregierungsorganisationen?

Brandes: «Unter den Umweltorganisationen gehören wir weltweit zu den Riesen. Wir sind ein großes, internationales Netzwerk, mit Zugang zu allen Teilen der Gesellschaft, inklusive der Entscheider, und ich denke, genau das macht unsere Stärke aus. Früher galt der WWF aufgrund seiner Gründer als die Prinzengarde unter den Umweltorganisationen, mit einem gewissen elitären Touch. Das ist lange her. Wir sind moderner und demokratischer geworden und haben unsere Basis in den Förderern und Mitgliedern.»

Wie «tickt» der WWF?

Brandes: «Ich glaube, uns machen besonders drei Aspekte aus: Wir arbeiten ganzheitlich auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, wir sind kooperationsbereit, aber unabhängig und wir sind ständig auf der Suche nach Lösungen und übernehmen Verantwortung. Wir haben wenig Berührungsängste, wir reden erst einmal mit fast allen, gerade auch mit den Verursachern von Umweltproblemen. Die müssen wir überzeugen, um das Beste für die Natur und damit für uns Menschen herauszuholen. Ideologien haben bei uns keinen Platz, aber dafür umso mehr Professionalität und Begeisterung!»

Ist der WWF industriefreundlich?

Brandes: «Die Herausforderungen , die wir im Umwelt- und Naturschutz haben, sind so gewaltig, dass wir sie nur mit den Verantwortlichen gemeinsam lösen können. Die Wirtschaft muss sich bewegen, und wir helfen gerne - bei ernstgemeinten Versuchen. Die Wirtschaft muss Teil der Lösung werden.»

Warum sollen Menschen in Deutschland für die Erhaltung des Tigers in Asien spenden?

Brandes: «Tiger oder Panda sind Symbole. Sie stehen dafür, wie rücksichtslos wir mit unserer Natur umgehen. Eine möglichst intakte Natur, und dazu gehören der Tiger in Indien oder der Wolf in Deutschland, ist überlebenswichtig. Die Natur erbringt Jahr für Jahr gigantische Leistungen. Fruchtbare Böden sind die Grundlage für die Landwirtschaft, gesunde Fischbestände sichern die Proteinversorgung von Millionen Menschen. In den Regenwäldern sind gigantische Mengen CO2 gebunden. Der Schutz der Natur leistet einen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels, er verringert das Risiko von Naturkatastrophen und sorgt für eine sichere Nahrungs- und Wasserversorgung.»

Ist es nicht eine Fortsetzung der Kolonialpolitik, wenn Entwicklungs- oder Schwellenländern von Organisationen wie dem WWF gesagt wird, dass sie ihre Natur schützen sollen und wie das am besten geht?

Brandes: «Wenn man nicht mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten würde und sie nicht ernst nähme, dann ja. Früher wurde darauf nicht so stark geachtet. Dabei funktioniert erfolgreicher Naturschutz auf Dauer nur mit den Menschen vor Ort, und genau darin ist der WWF dank seines internationalen Netzwerks extrem gut. Wir haben früh begriffen, dass es nicht klappt, die Natur wie ein Museum zu behandeln. Neben der Notwendigkeit von nutzungsfreien Schutzgebieten müssen die Menschen vom Schutz der Natur profitieren, gerade in ärmeren Regionen.»

Was sind die wichtigsten Erfolge und die wichtigsten Niederlagen des WWF?

Brandes: «Ohne den WWF würde es sicher erheblich weniger Wälder weltweit geben. Wir haben mitgeholfen, riesige Gebiete unter Schutz zu stellen, etwa am Amazonas, in Borneo oder in Zentralafrika. Aber auch die Ramsar-Konvention, die ein Zehntel aller Feuchtgebiete schützt, wurde vom WWF initiiert. Wir sind Mit-Urheber des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. In Deutschland lebt dank unserer Arbeit wieder eine beträchtliche Anzahl von Kranichen und Seeadlern, und große Teile des Wattenmeeres sind geschützt. Unsere herbste Niederlage ist und bleibt der Klimagipfel in Kopenhagen.»

Wo liegen die wichtigsten künftigen Ziele?

Brandes: «Wir brauchen die Erkenntnis bei allen Menschen, dass eine intakte Natur nicht nur um ihrer selbst schützenswert ist, sondern auch die Basis für unser Überleben bildet. Hungernde Menschen schützen keine Natur, und nur eine gesunde Umwelt bringt genügend gesunde Lebensmittel hervor. Und natürlich ist die Energiewende eine riesige Herausforderung.»

Was sind die größten Gefahren für diese Ziele?

Brandes: «Kurzfristiges Denken, Trägheit, Egoismus und Pessimismus.» Studie über das Waldsterben Die Umweltstiftung WWF hat vor einem dramatischen Verschwinden der Wälder weltweit gewarnt. Wenn das Abholzen so weitergehe wie bisher, drohe der Erde nach einer Studie bis zum Jahr 2050 ein Verlust von 230 Millionen Hektar, teilte der WWF mit. Das ist eine Fläche von der siebenfachen Größe Deutschlands. Eine solche Entwicklung hätte weltweit erhebliche negative Folgen für Klima, Artenvielfalt und die wirtschaftliche Entwicklung.

Derzeit verliere die Erde pro Minute Wald in der Größenordnung von 35 Fußballfeldern. Wälder sorgten für saubere Luft, verhinderten Erosionen und verbesserten die Bodenqualität. Sie filterten und speicherten Trinkwasser.

dpa-infocom


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