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Vor 20 Jahren startete die Mülltrennwelle

Berlin Am 8. Mai 1991 beschloss das Kabinett die Verpackungsverordnung.

Hinter dem sperrigen Wort verbarg sich eine kleine Revolution: Die Recyclingquote bei Verpackungen stieg seither auf 80 Prozent. Als später das Dosenpfand eingeführt wurde, kam es zum Kulturkampf.

Klaus Töpfer hat dieser Tage andere Sorgen. Unter hohem Zeitdruck muss die von ihm geleitete Ethikkommission bis Ende des Monats der Regierung einen Bericht vorlegen, wie lange sie die Atomkraft in Deutschland noch für verantwortbar hält. Da bleibt kaum Zeit für die Erinnerung an etwas anderes Wegweisendes, das er als damaliger Umweltminister auf den Weg brachte: die vor zwanzig Jahren am 8. Mai 1991 vom Kabinett verabschiedete Verpackungsverordnung .

Was Bayerns Umweltminister Peter Gauweiler (CSU) als «Schnapsidee» anprangerte, die nicht zur Müllverminderung führe, entpuppt sich heute als Garant für eine Wiederverwertungsquote bei Verpackungen von mehr als 80 Prozent. Vor 1991 betrug die Quote nur rund 40 Prozent. Der Grüne Punkt und der gelbe Sack wurden zum Synonym für die Entwicklung der in einigen Ländern belächelten Mülltrennwelle in Deutschland.

Gegen viel Widerstand setzte Töpfer den Zwang zu mehr Recycling und der Rücknahme von Verpackungen durch. Fortan mussten Quoten von teils über 60 Prozent bei der Wiederverwertung von Glas-, Blech-, Plastik- und Pappverpackungen erfüllt werden. Damit werde die endgültige Abkehr von der Wegwerfgesellschaft eingeleitet, so Töpfer. Er lobte das «außerordentlich gestiegene Umweltbewusstsein der deutschen Verbraucher». Produkte mit einem negativen Umwelt-Image ließen sich angesichts dieser Entwicklung kaum noch verkaufen, meinte er.

Seit 1. Dezember 1991 mussten Hersteller und Händler Verpackungen zurücknehmen und weiterverarbeiten. Ab April 1992 konnten Verbraucher «Umverpackungen» im Laden zurücklassen, von wo sie erneuter Verwendung oder der Verwertung zugeführt werden mussten.

Doch schon kurze Zeit später gab es massive Probleme beim Dualen System. Es war von Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche gegründet worden, um die Sammlung und Verwertung unter dem Stichwort «Grüner Punkt» zu organisieren. Das Duale System versank im Altkunststoff. Bürger nutzen gelbe Tonnen und Säcke, um alle Arten von Kunststoff loszuwerden. Auch altes Spielzeug und Plastikgeschirr wanderten in die gelben Säcke, was die Kosten massiv erhöhte. Töpfer schlug 1993 vor, dass Entsorgungswirtschaft und Kommunen Forderungen an das Duale System von 860 Millionen Mark stunden und in verzinsliche Darlehen umwandeln sollten.

Mit dem Machtwechsel zu Rot-Grün kam dann die heikelste Phase in der Geschichte der Verpackungsverordnung, das von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) 2001 durchgesetzte Dosenpfand. Der Handel, der für die Rücknahmeautomaten für Dosen und Einwegflaschen mehrere Milliarden bezahlen musste, reagierte mit einer Klagewelle. Winzer konnten mit Müh und Not ein Pflichtpfand für Weinflaschen verhindern.

Nur mit dem Pfand konnte letztlich die Dosenschwemme eingedämmt werden - auch wenn die Verbraucher zunächst vor riesigen Problemen standen. Jeder Laden kochte sein eigenes Süppchen und die Kunden wussten zunächst nicht wie und wo das Pfand zurückgezahlt wird. Manche Geschäfte gaben Papier-Pfandmarken, andere quittierten das Pfand auf dem Kassenbon. Erst nach Jahren gelang es auf Druck der EU, ein einheitliches Modell zu etablieren, mit dem heute überall Dosen und Einwegflaschen gegen Bares, meist 25 Cent, eingetauscht werden können.

Die damalige CDU-Chefin Angela Merkel ging Trittin für das Wirrwarr scharf an. Der keilte zurück, Merkel habe in ihrer Zeit als Umweltministerin (1994-1998) auch nicht gerade zur Vereinfachung der Verpackungsverordnung beigetragen. Ihr sei es zu verdanken, dass zwischen Eistee mit und ohne Kohlensäure unterschieden werden müsse.

Und heute? Den Deutschen droht eine weitere Tonne, die Wertstofftonne. Kommunen wie private Entsorger wollen den Zugriff erhalten, auch um an Rohstoffe zu kommen, die bisher oft in Verbrennungsanlagen landeten. Das Umweltbundesamt empfiehlt, die Verpackungsverordnung entsprechend weiter zu entwickeln, von der es mittlerweile fünf Überarbeitungen und Erweiterungen gegeben hat.

«Für die Verbraucher gibt es keinen Grund für die derzeitige Praxis, Joghurt-Becher aus Kunststoff über die gelbe Tonne zu recyceln, das gelbe Badeentchen aus demselben Material aber nicht», sagt UBA -Präsident Jochen Flasbarth. Künftig könnten so auch Pfannen, kaputtes Spielzeug oder der löchrige Putzeimer eingesammelt werden: «Wir schätzen, dass mit einer Wertstofftonne bis zu sieben Kilogramm Abfälle zusätzlich pro Einwohner und Jahr verwertet werden könnten.»

Verpackungsordnung nachlesen (pdf)

UBA-Studie zu Klimaschutz durch Recycling (pdf)

UBA-Informationen zu Wertstofftonne

Umweltministerium zu Abfallgesetz

Bedeutung der Entsorgungs- und Rohstoffwirtschaft (pdf) Von Georg Ismar, dpa

dpa-infocom


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