"Bei Jupiter, das ist Präzision!"

Washington/Pasadena (dpa) - So schwärmte Wissenschaftsautor Carl Sagan über den spektakulären Erfolg der amerikanisch-deutschen Sonde Galileo.


  • Kommentar I: Muster für die Zukunft

  • Kommentar II: Muster ohne Wert

  • Galileos Stationen

  • Was sich die Forschung erhofft

  • Die deutsche Beteiligung

  • Jupiter: König der Planeten

  • Galileo live (NASA)

  • "Phantastisch, das ist wirklich sauber", pflichtete ihm Chefwissenschaftler Torrence Johnson bei, als die Sonde in der Nacht zum Freitag in eine Umlaufbahn um den Planeten Jupiter eingeschwenkt war. Jubelrufe und Beifall begleiteten im Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena die langersehnte Bestätigung, daß Galileo nach einem mehr als sechsjährigem Pannenflug das heikle Manöver gemeistert hat. Kurz vor Mitternacht tauchte die am 13. Juli von Galileo ausgesetzte Sonde in die Atmosphäre des Gasriesen ein und schickte bis zu ihrem Verglühen 75 Minuten lang Daten über die chemische Zusammensetzung. Eine Kursabweichung von nur eineinhalb Grad in die eine oder andere Richtung hätte das vorzeitige Ende der Kleinsonde und ihrer wertvollen Daten bedeutet. Das Unternehmen sollte erstmals direkte Daten aus der Atmosphäre eines der vier äußeren Riesenplaneten ermöglichen.

    Nur Stunden später wurde Galileo selbst mit Bravour in eine Umlaufbahn um Jupiter geschossen. Die Sonde, die ihr Ziel nach einer rund 3,7 Milliarden Kilometer langen Reise erreichte, soll den Planeten zwei Jahre lang umkreisen und auf der Forschungstour Daten über mehrere der 16 bekannten Jupiter-Monde liefern. Galileo ist damit vorübergehend Jupiters 17. Satellit.

    Zehn lange Minuten mußten die Wissenschaftler in Pasadena warten, weil das erste Signal der 338 Kilogramm schweren Tochter-Sonde später eintraf als zunächst erwartet. Als die Gesichter im Galileo-Kontrollraum schon sehr lang und blaß geworden waren, wie berichtet wurde, traf das ersehnte Signal ein und löste befreienden Jubel aus. Als Galileos deutsches Antriebswerk später im zweiten Schritt im Weltall um 03.08 Uhr MEZ erfolgreich zündete, gelangte die zweieinhalb Tonnen schwere Sonde als erstes Raumfahrzeug in eine Umlaufbahn um einen unserer äußeren Planeten.

    Jupiter ist größer als alle anderen Planeten des Sonnensystems zusammen. Von der Erforschung seiner Atmosphäre erhoffen sich die Experten sensationelle neue Erkenntnisse über die Entstehung des Systems vor gut viereinhalb Milliarden Jahren.

    Die von der Tochter- zur Muttersonde übermittelten Daten werden jetzt nach Abspeicherung von der Mutter zur Erde gesendet. Die Tochtersonde konnte die Informationen nicht direkt zur Erde funken, da ihr Sender zu schwach ist. Mehrere Pannen mit der Hauptantenne und dem Aufzeichnungsgerät hatten Galileo auf der Reise zugesetzt. Erste Daten von dem Eintauchen der Tochtersonde werden für Anfang der kommenden Woche erwartet. Fachleute glauben, daß es bis zum Frühjahr 1996 dauern wird, bis der Großteil der von der Tochtersonde an Galileo weitergeleiteten Daten die Erde erreicht hat. Fotos und Zeichnungen: Reuter, dpa


    last edited: jo@cicero.de 951208