Stürme auf dem "König der Planeten"

Mountain View (dpa) - Auf dem Planeten Jupiter geht es nach den ersten Daten der Raumsonde Galileo noch stürmischer zu als bislang angenommen: Über den Gasriesen fegen gewaltige Orkane mit mehr als 500 Kilometern pro Stunde.

Außerdem ist es dort viel trockener, und es gibt weniger Blitze als vermutet. Die Atmosphäre des "Königs aller Planeten" ist zudem deutlich dicker und enthält weniger Helium als die Astronomen vorausgesagt hatten. Zeichnung: Reuter/NASA "Die Qualität dieser Daten übersteigt unsere optimistischsten Erwartungen", sagte am Montag (Ortszeit) Wesley Huntress von der US-Raumfahrtbehörde NASA im kalifornischen Mountain View, dem Sitz des Ames-Forschungszentrums. Jupiter ist der größte Planet des Sonnensystems und gehört zu den hellsten Objekten am Himmel. Im Teleskop bietet er einen phantastischen Anblick: Er ist von dunklen Ringen überzogen, die parallel zum Äquator verlaufen. Woher seine Färbung kommt, ist nach Angaben der Forscher nach wie vor unklar.

"Die Wissenschaftler werden nun wichtige, neue Einsichten gewinnen, wie unser Sonnensystem entstanden ist und sich entwickelt hat", meinte Huntress zu den Daten. Bisher wurde vermutet, daß Jupiter sich ähnlich zusammensetzt wie die Sonne. Einige Forscher hatten angenommen, daß Jupiter einst ein Partner der Sonne war, der allerdings zu klein war, um ein Fusionsfeuer zu entfachen. Jetzt hat sich ergeben, daß Jupiter nur halb soviel Helium wie die Sonne enthält. "Dies zwingt uns dazu, unsere Modelle über die Entstehung des Planeten zu überprüfen", sagte der Forscher Richard Young.

Die NASA hatte die erste Pressekonferenz über die von Galileo geschickten Daten wegen der Teilschließung von Behörden im Zuge des US-Etatstreits um einen Monat hinausschieben müssen.

Eine Tochtersonde hatte Daten an die Muttersonde gesandt. "Sie registrierte während ihres Eindringens in die dichte Atmosphäre des Jupiters äußerst starke Winde und intensive Turbulenzen", berichtete die NASA. Die treibende Energiequelle sei vermutlich Hitze, die aus der Tiefe des Planeten entweiche, und nicht Energie, die von der Sonne ausgehe, meinte der Forscher David Atkinson. Die Kleinsonde hat nach NASA-Darstellung einen unbekannten Strahlungsgürtel etwa 50.000 Kilometer über den Wolken des Planeten entdeckt und überraschend wenig Blitze wahrgenommen.

Die Wissenschaftler machten darauf aufmerksam, daß ihre ersten Erkenntnisse nach der Datenauswertung vorläufigen Charakter haben. Die Tochtersonde war am 7. Dezember bei ihrem Kamikaze-Sturz in die Atmosphäre des Jupiters verglüht. Zuvor hatte sie noch Daten an die Muttersonde gefunkt, die danach auf eine Umlaufbahn um den Planeten eingeschwenkt ist. Temperatur, Druck, Windstärken und die chemische Zusammensetzung des Jupiters sollen mit den Daten genauer untersucht werden können. Galileo war nach sechs Jahren bei Jupiter angelangt. Zeichnungen: NASA


Last edited: jo@rhein-zeitung.de 08.04.1997 17:31